Freitag, 8. März 2019

Buchrezension: Marcel Krueger „Von Ostpreußen in den Gulag. Eine Reise auf den Spuren meiner Großmutter“



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Über das Buch
„Als Kind kamen mir die Geschichten aus Ostpreußen und Russland mit ihren Kartoffelernten und Gefangenenlagern wie Märchen vor. Sie entstammten für mich demselben Reich wie die Geschichten aus Hobbingen und über Rotkäppchen, nur dass sie in der wirklichen Welt stattgefunden hatten. Als ich nach Polen und Russland reiste, um Material für dieses Buch zusammenzustellen, machte ich mich daher auch auf den Weg, um das Land mit eigenen Augen zu sehen.“
Nach dem Tod seiner Großmutter begibt sich Marcel Krueger auf die Spuren ihres bewegten Lebens. Eine Reise voller bewegender, komischer und trauriger Momente beginnt. In Gesprächen zwischen Kuchen, Makrelen, Wodka und Bier erkundet Krueger die weißen Flecken in Oma Cillys Biographie. Er stößt auf die wahre Geschichte einer bewundernswerten Frau, die sich nie unterkriegen ließ, die die Zwangsarbeit im sowjetischen Arbeitslager überlebte und eine neue Heimat in Deutschland fand.

1923 wurde Cäcilie „Cilly“ Anna Barabasch auf einem Bauernhof im damals ostpreußischen Allenstein (Olsztyn) geboren. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verschleppte man sie nach Russland, wo sie in verschiedenen Lagern bis 1949 Zwangsarbeit leisten musste. Anders als viele ihrer Leidensgenossinnen überlebte Cilly alle Entbehrungen, kehrte nach Deutschland zurück und baute sich dort ein neues Leben auf.
Nach ihrem Tod macht sich ihr erwachsener Enkel auf die Suche nach Cillys Geschichte, die ihm trotz vieler Erzählungen stets ein Rätsel war. Auf seiner Reise durch Polen und Russland geht Marcel Krueger nicht nur der Geschichte seiner Großmutter endlich auf den Grund. Er macht auch ungewöhnliche Bekanntschaften und erfährt, wie stark das heutige Osteuropa durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt ist.

(Quelle: HELICON BOOKS eBook Marcel Krueger „Von Ostpreußen in den Gulag. Eine Reise auf den Spuren meiner Großmutter“, S. 402 f.)

Über den Autor
Marcel Krueger, geb. 1977 in Solingen, ist Schriftsteller, Übersetzer und Redakteur. Er lebt in Irland, schreibt für verschiedene Zeitungen und hat zuletzt mit Paul Sullivan „Berlin. A Literary Guide for Travellers“ (2016) veröffentlicht. 2019 wurde er von der Jury des Deutschen Kulturforum östliches Europa zum Stadtschreiber von Olsztyn gewählt.

(Quelle: HELICON BOOKS eBook Marcel Krueger „Von Ostpreußen in den Gulag. Eine Reise auf den Spuren meiner Großmutter“, S. 401)

Format: eBook
Seitenzahl: 250 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum: 22.03.2019
Verlag: Philipp Reclam Jun.
Originaltitel: Babushka's Journey
Preis: 20,00 Euro

Geschichtliche Erzählungen lese ich mit Vorliebe und mit hohem Interesse. Ist es doch nicht zuletzt das vergangene Zeitgeschehen, was unsere Gegenwart und damit auch die Zukunft prägt und weiterhin prägen wird. Viele geschichtliche Darstellungen, die ich gelesen habe, handeln vom Zweiten Weltkrieg. Und ja, auch „Von Ostpreußen in den Gulag. Eine Reise auf den Spuren meiner Großmutter“ von Marcel Krueger handelt von dieser schrecklichen Zeitepoche, die das Leben aller auf unserem Erdball verändert hat. Und doch geht die Erzählung vom Autor viel weiter. Und ich muss gestehen, ich war in dieser Hinsicht noch völlig uninformiert. Klar wusste ich, dass es nach dem Zweiten Weltkriege sowjetische Kriegsgefangene gab, um den Wiederaufbau des Landes voranzutreiben. Aber so richtig Gedanken habe ich mir da nie gemacht. Die Kriegsgefangenen waren eher ein Nebensatz, auch in unserem Geschichtsunterricht, zumindest wenn ich in meinen schulischen Erinnerungen nachforsche. Doch der Autor Marcel Krueger zeigt dem Leser, dass dies nicht so war. Und nachdem ich dieses Buch, welches mich sogleich fasziniert und natürlich auch abgeschreckt hat, gelesen habe, weiß ich, dass die unzumutbaren, unmenschlichen Zustände der Gefangenen im Zweiten Weltkrieg – speziell der Konzentrationslager – wahrscheinlich dem der Zustände in den Gulags – der Kriegsgefangenenlager – in nichts nachstanden. Besonders erschütternd ist für mich der Umstand, dass viele der Gefangenen, ob sie nun auf der Seite der SS standen oder nicht, einfach so verhungert sind. Und dennoch musste Akkordarbeit geleistet werden. Marcel Krueger beschreibt in seinem Buch „Von Ostpreußen in den Gulag. Eine Reise auf den Spuren meiner Großmutter“ eben die Reise seiner Großmutter als sowjetische Kriegsgefangene. Und parallel reist er ihr nach, wenn auch viele Jahre später. Er kommt an Orte, wo die Oma scheinbar Station gemacht haben muss, unterhält sich mit Land und Leuten und fühlt sich somit seiner verstorbenen Großmutter noch einmal so richtig nah. Für mich ist die Erzählung berührend und gleichzeitig, wie gesagt, auch abschreckend. Und es zeigt dem Leser auch noch mal eine weitere Sichtweise auf die Gräueltaten der Menschheit.

Ich danke dem Jellybooks Team und dem ReclamVerlag herzlich für die Bereitstellung des Buches.


(Dieses Buch wurde mir kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Dieser Beitrag gibt meine ehrliche und persönliche Meinung wieder.)

Liebe Grüße
Jana

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